Nikolai Fioletow

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Nikolai Fioletow (russ. Николай Николаевич Фиолетов) wurde 1891 im Dorf Jersowka im Bezirk Zaryzin des Gouvernements Saratow in die Familie eines Priesters hineingeboren. Er absolvierte die geistliche Schule zu Kamyschin und studierte am Geistlichen Seminar zu Saratow. 1909 begann er sein Studium an der Juristischen Fakultät der Moskauer Universität und wurde nach seiner Abschlussprüfung am Lehrstuhl für kanonisches Kirchenrecht eingestellt. Nikolai war Schüler von Ewgenij Trubezkoi und Mitstreiter von Vater Pawel Florenskij, Semjon Frank und Sergei Trubezkoi.

Im Dezember 1918 verteidigte er seine Magisterarbeit zum Thema „Rezeption als Quelle der kirchlichen Transformation“. Seit Anfang 1917 war er Privatdozent am Lehrstuhl für kanonisches Kirchenrecht an der Moskauer Universität, seit Mai 1917 Professor an der Juristischen Fakultät der Staatlichen Universität zu Perm. Als prinzipieller Verfechter der Wiedererrichtung des Patriarchentums publizierte er zu diesem Thema mehrere Werke. Auf dem Landeskonzil 1917/1918 war er mit 25 Jahren der jüngste Delegierte (als Laie der Diözese Perm). Am Konzil war er Sekretär der Abteilung „Die rechtliche Lage der Kirche im Staat“ und Mitglied der Juristischen Abteilung. Als Kanonist nahm er an der Erarbeitung der Abschlusserklärung des Konzils aktiv teil.

1922 kehrte er nach Saratow zurück, war Professor für Rechtstheorie und Geschichte der politischen Lehren an der Staatlichen Universität Saratow. Er hielt Vorlesungen, beschäftigte sich mit wissenschaftlichen und literarischen Arbeiten und war stellvertretender Dekan der Fakultät für Sozialwissenschaften.

Anfang 1924 zog Fioletow nach Taschkent, wo er an der Staatlichen Universität Mittelasien zusammen mit Valentin Woino-Jassenezki (später der hl. Erzbischof Lukas von Simferopol) lehrte. Unter allen Bedingungen verteidigte er die orthodoxe Sichtweise. Fioletow leistete Missionsarbeit unter den Studenten und entlarvte die „Erneuerungsbewegung“. Für seine Aktivitäten wurden ihm das Wahlrecht und andere Bürgerrechte entzogen.

Im Frühling 1931 wurde Fioletow Professor am Institut für historische Forschung zu Taschkent. Ostern 1932 wurde er verhaftet und zu drei Jahren Exil in Nowosibirsk verurteilt. Nach dem Exil unterrichtete er in Kursk. Während einer Vorlesung rutschte Fioletow das Brustkreuz aus dem Hemd, wofür er ohne Aussicht auf Wiedereinstellung entlassen wurde. Daraufhin war er als Statistiker tätig und schrieb Artikel für die Große Sowjetische Enzyklopädie. Während dieser Zeit arbeitete er auch an den „Essays über die christliche Apologetik“, die auf seiner zwanzigjährigen Erfahrung mit der Katechese unter sowjetischen Bedingungen gründete. Leider blieb dieses Werk unvollendet. 1992 empfahl die Abteilung für religiöse Ausbildung und Katechese des Moskauer Patriarchats die „Essays über die christliche Apologetik“ zur Verbreitung „in Gemeinden, Sonntagsschulen und anderen Ausbildungseinrichtungen des Moskauer Patriarchats“.

Am 25. Juni 1941 wurde Nikolai Fioletow verhaftet, nach Omsk deportiert und zu zehn Jahren Arbeitslager verhaftet. Am 8. März 1943 starb er im Mariinskij-Lager an Unterernährung und wurde in einem namenlosen Grab bestattet.