Erentrudis vom Nonnberg

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Freskenikone in der Kapelle zum hl. Johannes Chrysostomos in Wien.
Schrein der hl. Erentrudis in der Abtei Nonnberg

Gedächtnis: 30. Juni und 4. September (Übertragung der Gebeine)

Die heilige Erentrudis ist die Nichte des heiligen apostelgleichen Rupert von Salzburg, seit alters her wird sie als Stadt- und Landesmutter von Salzburg verehrt.

Im Jahr 1986 wurde Erentrudis neben den heiligen Rupert und Virgil zur Diözesanpatronin von Salzburg erhoben. Im Jahr 2024 wurde sie neben dem heiligen Rupert auch zur Landespatronin erklärt.

Vita

Die heilige Erentrudis wurde der Überlieferung nach um das Jahr 663 in der Gegend von Worms geboren und entstammte einem vornehmen fränkischen Geschlecht. Das genaue Jahr ihrer Geburt ist nicht bekannt. Sie war mit dem heiligen Rupert verwandt und führte bereits in ihrer Heimat ein gottgeweihtes, klösterliches Leben. Die ältesten Zeugnisse bezeichnen sie als Deo sacrata, Christi famula, abbatissa, als Gottgeweihte, Dienerin Christi und Äbtissin.

Als der heilige Rupert in Iuvavum, dem heutigen Salzburg, sein Missionswerk entfaltete, berief er Erentrudis aus ihrer fränkischen Heimat zu sich. Sie kam nicht bereits mit Rupert nach Salzburg, sondern folgte ihm erst Jahre später und brachte zwölf Gefährtinnen aus Worms mit. Im Rheinland hatte sie bereits Erfahrungen im klösterlichen Leben und in der Leitung einer Gemeinschaft gesammelt.

Um das Jahr 714 gründete Rupert mit Unterstützung des bayerischen Herzogshauses das Frauenkloster auf dem Nonnberg und setzte Erentrudis als dessen erste Äbtissin ein. Herzog Theodo und seine Familie statteten das Kloster mit Besitz aus. Besonders verbunden war ihm Regintrudis, die Gemahlin Theodos, die 717 selbst in das Kloster eintrat und in dessen Überlieferung als zweite Gründerin verehrt wird. Das Kloster wurde der Allheiligen Gottesgebärerin Maria geweiht.

Erentrudis leitete ihre Mitschwestern mit mütterlicher Liebe und Klugheit und wurde ihnen zu einem Vorbild des geistlichen Lebens. Sie war unermüdlich im Gebet und im Lesen der Heiligen Schrift und widmete sich mit besonderer Liebe den Armen und Kranken. Sie unterrichtete Kinder und Erwachsene und wirkte an der Verbreitung des christlichen Glaubens unter der Bevölkerung mit. Die Überlieferung erzählt, dass sie sich auch vor den niedrigsten Diensten nicht scheute und selbst verwahrloste und kranke Kinder pflegte. Ihr Wirken verband geistliche Unterweisung mit tätiger Nächstenliebe.

Der Nonnberger Kaplan Caesarius, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine Lebensbeschreibung der heiligen Erentrudis verfasste und dabei ältere, heute nicht mehr erhaltene Überlieferungen heranzog, rühmt die Kraft ihrer Verkündigung: „Glühend war ihre Macht der Rede, den Hartnäckigen die harten Herzen zu erweichen und mit dem Salz der Weisheit und dem Honig der Liebe zu würzen.“

Zwischen Erentrudis und dem heiligen Rupert bestand eine tiefe geistliche Verbundenheit. Als Rupert seinen nahenden Tod erkannte, vertraute er ihr dieses Geheimnis an und bat sie um ihr Gebet. Erentrudis bat ihn unter Tränen, noch vor ihm aus diesem Leben scheiden zu dürfen. Nach seinem Tod erschien ihr Rupert der Überlieferung zufolge im Traum und lud sie ein, ihm in die ewige Heimat nachzufolgen. Daraufhin versammelte sie ihre Mitschwestern, erteilte ihnen mütterliche Ermahnungen und nahm von ihnen Abschied.

Die heilige Erentrudis entschlief am 30. Juni um das Jahr 718 in Salzburg und wurde auf dem Nonnberg bestattet. Schon bald nach ihrem Tod wurden ihr Wunder zugeschrieben und sie von den Gläubigen als Heilige verehrt. Bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 788 wird Erentrudis ausdrücklich als Heilige (sancta) bezeichnet und zeigt, dass ihre Begräbnisstätte bereits damals als Wallfahrtsziel von Menschen in unterschiedlichen Nöten aufgesucht wurde. Auf dem Nonnberg wurde für die Pilger sogar eine eigene Herberge eingerichtet. Besonders wurde Erentrudis als Fürsprecherin für leidende Menschen und bei Krankheiten angerufen; in der Volksfrömmigkeit wandte man sich auch bei Viehseuchen an sie. Wie eine Untersuchung ihrer Gebeine im Jahr 1924 ergab, wurde sie nicht älter als 55 Jahre, war von zierlicher Gestalt und hatte goldblondes Haar.

Die Verehrung der heiligen Erentrudis blieb über die Jahrhunderte eng mit ihrem Grab auf dem Nonnberg verbunden. Ihre ursprüngliche, in den Felsen eingetiefte Grabstätte befindet sich in der Krypta der Abteikirche und ist heute leer, da ihre Gebeine am 4. September 1624 feierlich in die Abteikirche übertragen wurden. Dieser Tag blieb für das Stift Nonnberg neben ihrem Festtag am 30. Juni von besonderer Bedeutung und wurde früher mit Prozession und Festpredigt begangen. Im selben Jahr bezeichnete Erzbischof Paris Lodron die heilige Erentrudis als Stadt- und Landesmutter Salzburgs. Die Schädeldecke der Heiligen wird in einem bereits 1318 angefertigten silbernen, teilweise vergoldeten Büstenreliquiar aufbewahrt, die übrigen Gebeine befinden sich in einem silbernen Reliquienschrein aus dem Jahr 1674.

Von der tiefen Verwurzelung ihrer Verehrung im Salzburger Land zeugen die zahlreichen Wallfahrten zum Nonnberg. Seit dem Mittelalter zogen während der Bitttage Gläubige aus mindestens vierzig Pfarren zu ihrem Grab. Bis heute werden Wallfahrten besonders an ihrem Festtag, dem 30. Juni, und am 4. September unternommen. Beim Hochamt ihres Festes und bei der Vesper am Vorabend wird der Erentrudissegen gespendet. Dabei wird den Gläubigen unter Gebet ein kleines Reliquiar der Heiligen, das sogenannte „Sargl“, auf das Haupt gesetzt.

Das von Erentrudis geleitete Stift Nonnberg besteht seit seiner Gründung ununterbrochen und gilt als das älteste christliche Frauenkloster mit ununterbrochener Tradition.

Quellen: Bavaria Sancta – Leben der Heiligen und Seligen des Bayerlandes; Benediktinerinnenabtei Nonnberg, Die heilige Erentrudis; Erzdiözese Salzburg, Heilige Erentrudis; Franz Paul Enzinger, Heilige Erentrudis, die „Landesmutter“ Salzburgs.

Gebete

Troparion (7. Ton)
Leuchten des Glaubens und Säulen unserer Kirche, Apostelgleicher Rupert, der Gottesmutter Diener, des Glaubens Herold Virgil, du guter Hirt der Gläubigen, Äbtissin Erentrudis, du treue Braut Christi, ihr heil‘gen Mönche Chuniald und Giselher, Eure kostbaren Reliquien verehren wir in Glauben und in Liebe.

Megalynaria
Heil‘ge Erentrudis du Gottesbraut jauchze und frohlocke, die Du lebst für Gott allein. Stehe allen Seelen bei, die Dir, o Jungfrau, folgen, dass auch sie mit Gottes Gnad‘, das ew‘ge Ziel erreichen.

O, du Kirche Salzburgs freue dich, denn wir ehren heute, Erentrudis Christi Braut. Treu und rein im Leben war sie die kluge Jungfrau, wachend und betend, wartend auf den Bräutigam.

diese liturgischen Texte verfasste Archimandrit Paisios (Jung)