Beatus, Heiliger

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Beatus (* im 1. Jahrhundert in England; † um 112 in der Beatushöhle am Thunersee, Schweiz), war Mönch und Einsiedler und Apostel der Schweiz. Er wurde von Petrus in Rom geweiht und beauftragt, die Schweiz zu bekehren. Sein Gedächtnis wird am 9. Mai gefeiert.

Der hl. Beatus kam der Überlieferung nach aus Britannien. Er entstammte einem vornehmen Geschlecht und schenkte um Christi Willen all seinen Reichtum den Armen. In Rom wurde er zur Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Nero vom hl. Apostel Petrus getauft. Dieser sandte ihn zu den Helvetiern, um dort den wahren Glauben zu verkünden. Zusammen mit dem hl. Justus, der ihn begleitete, kam Beatus über den Schwarzen Berg in das Land zwischen den Seen (Interlaken). Von den Hirten von Sundlau am Wendelsee, dem heutigen Thunersee, erfuhren sie, dass jenseits des Sees ein ungeheuerlicher Drache hause, der das ganze Land unsicher mache, und überall Schrecken verbreite. Voll heiligem Eifer ließen sich die beiden Heiligen an den angegebenen Ort übersetzen und drangen bis zu der Höhle vor, in der das Ungeheuer hauste. Als Beatus allein den Berg hinaufstieg, schoss ihm das Untier flammenden Auges, mit schrecklichem Grimm und Feuer speiend aus seiner Höhle entgegen. Beatus erhob das lebenspendende Kreuz gegen den Drachen und beschwor diesen unter Anrufung der allheiligen Dreiheit. Da stürzte sich das Ungeheuer in ohnmächtiger Wut die Felswände hinunter in den See, der darüber zu kochen begann. In der eroberten Höhle nahmen Beatus und sein Begleiter Wohnsitz und brachten Gott allezeit Dankopfer, durch Fasten, Gebet und die Verkündigung des Evangeliums. Gedächtnisstätten der Missionstätigkeit des hl. Beatus befinden sich in Zug, wo ihn die Ungläubigen mit Ruten geschlagen haben sollen, woran bis heute eine Beatuskapelle am Ort seiner Stäupung erinnert, und in Iberg bei Schwyz, wo er gepredigt haben soll.

Die Hauptnahrung der Heiligen bestand vorwiegend aus Kräutern und Wurzeln, selten aus Brot. Mit 90 Jahren verschied der hl. Beatus und wurde in einem am Eingang der Höhle in den Fels gehauenen Grab beigesetzt. Die Kunde von seinem Hinscheiden verbreitete sich rasch, und Tag und Nacht kamen Menschen zu Fuß und in Booten vom anderen Ufer mit Blumen und Lichtern zur Höhle, um dem Heiligen die Ehre zu erweisen, so dass nachts ein stiller Schein von der Höhle über den See schimmerte. Der hl. Justus lebte weiter bis zu seinem eigenen Hinscheiden in der Höhle seines Meisters. Seither besteht eine ununterbrochene Verehrung dieser durch die ersten Glaubensboten der Schweiz geheiligten Grabhöhle. An Wundern berichtet die Überlieferung, dass der hl. Beatus, wenn er sich zu seinem kurzen Schlaf niederlegte, auf besondere Weise von Engeln beschirmt wurde, und dass er auf seinem Mantel über den See setzen konnte. Auch als Wundertäter bei zahllosen Krankheitsfällen wurde der hl. Beatus berühmt. Noch im Jahre 1439 wurde eine in ganz Europa grasierende Pestseuche nach einer großen Bittprozession der schwer betroffenen Berner Bevölkerung durch den hl. Beatus in diesem Gebiet gestoppt.

Als im Gefolge der Reformation die Verehrung des hl. Beatus verboten wurde, kam es zu einem Aufstand in den Urkantonen, der mit Militärgewalt unterdrückt wurde. Daraufhin wurde die Höhle mit einer klafterdicken Mauer verschlossen und sogar protestantische Gottesdienste, die in der ehemaligen Wallfahrtskirche neben der Höhle stattfanden, abgeschafft, die Wallfahrtskirche abgerissen und nur eine kleine Holzkirche auf dem Battenberg genehmigt. Die Reliquien des Heiligen wurden von den Reformierten zum Teil in den See geworfen und zum Teil vergraben. Einen Teil aber konnte von gläubigen Katholiken in letzter Minute in Sicherheit gebracht werden. So soll sich in Schwyz ein Teil der Hirnschale des hl. Beatus befinden, weitere Reliquien des Heiligen in der Leodegarstiftkirche in Luzern, in Einsiedeln und Freiburg. Trotz des Verbots der Verehrung des Heiligen riss der Pilgerstrom aus den Urkantonen niemals ab. Die Mauer wurde regelmäßig eingerissen und die Berner Regierung musste sie immer wieder erneuern lassen, was zu ernsthaften Missstimmungen zwischen den Ständen Berns und der Innerschweiz führte.

Eine Tuschezeichnung der Beatushöhle aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Höhle mit einem in ihr eingerichteten Ziegenstall. Im selben 19. Jahrhundert wurde die Beatushöhle als besondere Naturschönheit wiederentdeckt. Heute wird dem Besucher in einer etwa 20minütigen Führung zunächst eine als prähistorische Sammlung ausgeschmückte Felsenwohnung mit einer nachgebildeten Familiengruppe aus der Urzeit gezeigt, dann die eigentliche Beatuszelle, in welcher sich früher der Reliquienschrein befand und an deren Eingang man am 3. April des Jahres 1904 das ursprüngliche Felsengrab des hl. Beatus wiedergefunden hatte; durch einen künstlichen Durchgang gelangt man dann weiter in die sogenannte Bachhöhle mit ihren tosenden, unterirdischen Wasserfällen und eindrucksvollen Tropfsteinformationen, die mit dem hl. Beatus freilich nicht mehr zu tun haben, als dass sie die Zeit noch von vor dem hl. Beatus bis heute zählen. Zu Beginn jeder neuen Führung läutet eine Glocke, welche bis zur Reformation zu den Gottesdiensten in der ehemaligen Wallfahrtskirche geläutet wurde.

Textnachweis

Dieser Text stammt aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.97ff. Scan des Kapitels über den Hl. Beatus. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

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