Totengedenken

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Orthodoxes Glaubensbuch - Das Totengedenken

Die Kirche sorgt in besonderer, mütterlicher Weise für ihre verstorbenen Kinder, und zwar in gleichem Maße für die erst jüngst und die schon vor längerer Zeit Verstorbenen, für einfache Laien und für Zaren und Patriarchen. Diese Sorge steht im Einklang mit der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, dem Jüngsten Gericht und dem Himmelreich. Die Seelen der Verstorbenen können nicht mehr Einfluss auf ihr Los nehmen, nur wir, die wir auf der Erde leben, können ihnen helfen. Unsere Gebete, die privaten und die liturgischen, milde Gaben, gute Taten, die wir um dieses oder jenes Toten willen tun, bringen seiner Seele Ruhe und Freude in der jenseitigen Welt.

Für das gemeinsame Gebet in der Kirche sind folgende Gedenktage vorgesehen: der Samstag des Totengedenkens in der Woche des Fleischverzichtes; der 2., 3. und 4. Samstag in der Großen Fastenzeit; das österliche Totengedenken; der Samstag des Totengedenkens vor Pfingsten und der Demetrios-Samstag. Außer einem Tag, dem österlichen Totengedenken, das an einem Dienstag stattfindet, sind alle anderen Tage Samstage.

Für das Totengedenken in der Kirche bereiten die Gläubigen Zettel mit den Namen der Verstorbenen vor. Außerdem werden Opfergaben mitgebracht. In der Regel sind es Lebensmittel, die zum Tisch für die Verstorbenen (kanun – siehe “Die kirchliche Frömmigkeit”) gestellt werden. Üblich ist es, Brot, Bliny, Obst, Pralinen usw. zu bringen. Man kann auch Mehl für die Prosphoren, Messwein, Kerzen oder Öl für die Lampen bringen. Am Abend vor den Totengedenktagen wird ein eigener Gottesdienst (Parastas) gefeiert, eine Matutin für die Toten. Alle Troparien, liturgischen Texte, Gesänge und Lesungen sind dem Gebet für die Toten gewidmet.

Am Morgen der Totengedenktage wird eine Liturgie für die Toten gefeiert, bei der aller verstorbenen Christen gedacht wird. Nach der Liturgie gibt es noch allgemeine Totengedächtnisgottesdienste (Panichiden). Das österliche Totengedenken ist immer am zehnten Tag, d. i. am Dienstag der zweiten Woche nach Ostern. Am Vorabend wird ein Parastas, am Tag selbst die Liturgie und eine Panichida zelebriert. Zu den üblichen Gebeten für die Toten werden an diesem Tag noch österliche Gesänge hinzugefügt. Danach ist es üblich, die Gräber der Verwandten und nahestehender Personen zu besuchen. Zu Ostern sollte man dies nicht tun.

Außer den hier aufgezählten gibt es noch besondere Gedenktage. Am Tag der Enthauptung des Vorläufers Johannes am 11. September wird besonders der Soldaten gedacht, die im Krieg gefallen oder an ihren Verwundungen gestorben sind. Am Tag des Sieges, am 9. Mai, wird der gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs gedacht sowie derer, die in den Spitälern und Lagern gestorben oder verschollen sind.

Alle diese Gebete können für die Seelen der orthodoxen Christen verrichtet werden, d. h. für getaufte Menschen, die nicht eigenmächtig aus dieser Welt geschieden sind. Für Selbstmörder wird in der Kirche nicht gebetet, außer in besonderen Fällen, über die man nur vom Priester Auskunft erhalten kann.

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