Justin Popović

Gedächtnis: 1. Juni (alter Stil) / 14. Juni (neuer Stil)
Der ehrwürdige Justin Popović (1894 - 1979) war ein bedeutender Theologe der Orthodoxen Kirche im 20. Jahrhundert, dessen Denken von der Bewahrung der authentischen Überlieferung der Orthodoxie mit Blick auf die moderne Welt geprägt war. Er war u.a. bekannt als Philosoph, Dostojewski-Experte, Verfechter des Anti-Kommunismus, Schriftsteller und Kritiker des Pragmatismus im kirchlichen Leben sowie des Ökumenismus.
Geboren wurde er am 25. März / 6. April 1894 in Vranje (Serbien). Seine Ausbildung erhielt er am Priesterseminar des heiligen Sava in Belgrad, wo er insbesondere durch den heiligen Nikolaj Velimirović geprägt wurde. Während des Ersten Weltkriegs teilte er das Schicksal seines Volkes und begleitete den Rückzug über Albanien. In dieser Zeit reifte seine Entscheidung für das monastische Leben, und im Jahr 1916 wurde er als Mönch tonsuriert und erhielt den Namen Justin, in Anlehnung an den heiligen Märtyrer Justin den Philosophen.
Seine weiteren Studien führten ihn in bedeutende Zentren orthodoxer Theologie, insbesondere nach Russland und Griechenland. Dort vertiefte er sich in die patristische Tradition und die asketische Lehre der Kirche. Einen besonderen Platz in seinem Denken nahm die Auseinandersetzung mit Fjodor Dostojewski ein, dessen Werk er im Licht der orthodoxen Anthropologie deutete. In den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg wirkte er als Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät in Belgrad und prägte Generationen von Theologen. Seine Lehrtätigkeit stand ganz im Dienst der lebendigen Überlieferung der Heiligen Väter. In dieser Zeit begann auch die Ausarbeitung seiner grundlegenden theologischen Werke, insbesondere der „Dogmatik der Orthodoxen Kirche“ .
Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1945 wurde er aus dem Lehramt entfernt und lebte fortan unter staatlicher Aufsicht im Kloster Čelije bei Valjevo. Dort wirkte er als Beichtvater und geistlicher Lehrer. Das Kloster wurde zum Mittelpunkt seines späteren Wirkens, an dem zahlreiche geistliche Schriften entstanden, darunter Auslegungen der Heiligen Schrift sowie die „Leben der Heiligen“.
Seine Theologie ist konsequent christozentrisch: Der Gottmensch Christus steht im Zentrum allen Seins und aller Erkenntnis. Die Kirche versteht er als lebendigen Leib Christi, in dem der Mensch durch Gnade, asketisches Leben und die heiligen Mysterien zur Vergöttlichung gelangt. In diesem Zusammenhang wandte er sich entschieden gegen jede Säkularisierung des kirchlichen Lebens.
Er entschlief am 7. April 1979 und wurde im Kloster Čelije bei Valjevo (Serbien) beigesetzt, sein Grab kann dort besucht werden und ebenso der Schrein mit seinen Reliquien.
Die Serbisch-Orthodoxe Kirche verehrt ihn als Heiligen und zählt ihn zu den bedeutenden geistlichen Vätern der Neuzeit.
Reliquien
Im deutschsprachigen Raum können in folgenden Kirchen Reliquien des hl. Justin verehrt werden:
- serbisch orthodoxen Kirche zur Entschlafung der Allheiligen Gottesgebärerin in Zürich (Schweiz)
- serbisch orthodoxen Kirche zur Auferstehung Christi in Wien (Österreich)
- serbisch orthodoxe Kirchengemeinde zum hl. Nikolaus von Myra in Mödling (Österreich)
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Gebete
Troparion (8. Ton)
Da du im Wort und in der Tat das süße nektargleiche Leben der Orthodoxie wie einen wunderbaren Schatz in alle Herzen der Frommen tief eingesenkt hast, wurdest du uns erzeigt als lebendiges Buch des Geistes, gottweiser Justin. Bitte inständig, dass mit Gott vereint werden, die dir singen.
Kondakion (8. Ton)
Du hast auf gottmenschliche Art den Lebenslauf gestaltet, weil du in allem den Gottmenschen dir als Maß genommen, und bist so zur höchsten Höhe der Theologie gelangt. Und da du nun bei dem von dir geliebten Wort mit Freimut stehst, gib uns die Gnade deiner Fürbitten, o Heiliger, die wir rufen zu dir: Freue dich, gottweiser Vater Justin.
Weblinks
Alexander Mrakic: Der Heilige Mönch Justin Popović und seine Kritik der humanistischen Anthropologie
Bischof Athanasius (Jevtic): Seliger Justin der Neue von Čelije: Leben – Wunder