Benutzer:Christian/Bilderstreit

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"Bilderstreit - 726-843 nahmen byzantinische Kaiser die oft auch von Bischöfen beklagte, abergläubische Bilderverehrung im Volk zum Anlaß, mit staatlichen Bilderverboten und militärischen Gewaltmaßnahmen ihre autokratische Herrschaft auf die Kirche auszudehnen und die Eigenständigkeit der Kirche, sowie insbesondere das Mönchtum zu unterdrücken. Daher gab es vor allem unter den Mönchen und Klosterfrauen viele Märtyrer."

Sergius Heitz (Hrsg.): Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit. Orthodoxes Glaubensbuch. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN: 3-525-56832-0, S. 235f

"Im Bilderstreit (726-843) wurde die Ikonenverehrung zum Anlaß für einen Versuch des Staates, den Einfluß der Kirche im Byzantinischen Reich zu brechen. Die Ursachen für den Ausbruch des Bilderstreites waren verschiedenartig: einerseits war die Kirche, und vor allem das Mönchtum, zu einer Kraft im Byzantinischen Reich geworden, an der der Staat nicht einfach vorbei kam. Andererseits mußte der Kaiser als Feldherr von seinen islamischen Gegnern immer wieder hören, die Christen seien Götzendiener, da sie Bilder anbeteten. Zudem kamen in Bezug auf die Bilderverehrung tatsächlich auch zunehmende Mißbräuche vor, gegen die die Bischöfe einschreiten mußten. Dies nun nahm Leon III. der Isaurier, der auf allen Gebieten eine absolute Herrschaft anstrebte und den Einfluß der Mönche zu brechen suchte, zum Anlaß, 726 ein erstes Edikt gegen die Bilderverehrung zu erlassen. Dieses Edikt und seine Verschärfungen in den folgenden Jahren führte nicht nur zur Zerstörung von unzähligen Ikonen und Bildern in den Kirchen und Häusern, sondern auch zu Aufständen in Griechenland und Italien und vor allem zu einer allgemeinen Verfolgung der Mönche im ganzen Byzantinischen Reich. Es scheint, als sei für Leon III. und seinen Nachfolger Konstantin V. Kopronymos die Bilderfrage vor allem ein Vorwand gewesen, das Mönchtum auszurotten und damit den Einfluß der Kirche auf das Volk zurückzudämmen. Die bilderfreundliche Kaiserin Irene stellte die Verfolgungen ein und ließ 787 das Siebte Ökumenische Konzil von Nikäa in Freiheit über die Bilderfrage verhandeln, worauf die Bilderverehrung wiederhergestellt wurde mit der Bestimmung, daß den Bildern, wie dem Heiligen Kreuz, dem Evangelienbuch, den Reliquien und allen Heiligen nur die ehrfürchtige Verehrung (timitike proskynesis) nicht aber die wahre Anbetung (alithine latreia) zukomme. Doch unter den folgenden Kaisern flammte die Verfolgung der bilderfreundlichen Opposition gegen den Staatsabsolutismus erneut auf. Erst unter Kaiserin Theodora wurde am ersten Fastensonntag 843 in einem feierlichen Akt in der Hagia Sophia zu Konstantinopel die Entscheidung von 787 wieder in Kraft gesetzt.[1] Seither feiert die Orthodoxe Kirche jedes Jahr am ersten Fastensonntag das Gedächtnis des Sieges der Orthodoxie durch eine Prozession mit den Bildern und das Verlesen der Konzilsbeschlüsse."[2]

Sergius Heitz (Hrsg.): Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit. Orthodoxes Glaubensbuch. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN: 3-525-56832-0, S. 112f


Anmerkungen

  1. [d.h. es gab 56 Jahre der Gegenreaktion danach - also gleich der Zeitspanne der Gegenreaktion zwischen dem Ersten Ökumenische Konzil von Nikäa 325 und dem Zweiten Ökumenischen Konzil von Konstantinopel 381]
  2. [d.h. es wird das Ereignis von 843 gefeiert mit den Beschlüssen von 787 - die 56-jährige Verzögerung also manifestiert]