Westlicher Ritus in der Orthodoxie

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Seit dem 19. Jahrhundert gibt es eine Bewegung in der Orthodoxie, die nicht so sehr bekannt ist. Und zwar geht es um orthodoxe Christen, die zu Gemeinden und Gemeinschaften gehören, in welchen ein Ritus zelebriert wird, der der abendländischen Tradition folgt.

Genau wie die Chrysostomusliturgie, die Basilius- und die Jakobusliturgie (ganz zu schweigen von den ehrwürdigen Riten der Kopten, Syrer, Armenier und Äthiopier) gehen die abendländischen Riten wie die Gregorianische Liturgie, der Ambrosianische und die Mozarabische Liturgie bis in die apostolische Zeit zurück.

Es war ein Deutscher, Julius Overbeck, der in England lebte und sich dort zur Orthodoxie bekehrte und die Inspiration aufbrachte, dass es orthodoxe Gemeinden mit abendländischer Liturgiepraxis geben könne. Seinem Anliegen wurde Gehör verschafft, so dass im Jahr 1870 der Heilige Synod der Russischen Kirche die traditionelle römische Messliturgie in einer orthodoxen Adaption approbierte. Leider gelang es damals nicht gleich, Gemeinden mit dieser Liturgie dauerhaft zu installieren.

Aber seit den 1950er Jahren gibt es vor allem in Nordamerika eine ganze Reihe von Gemeinden, die dem Patriarchat von Antiochien unterstehen und abendländischen Riten folgen. Nämlich der genannten Gregorianischen Liturgie und der St. Tichon Liturgie (das ist eine orthodoxe Adaption der traditionellen anglikanischen Liturgie.

In Westeuropa wirkt vor allem seit den 1930er Jahren die Katholische Orthodoxe Kirche Frankreichs (Eglise Catholique Orthodoxe de France) in diese Richtung. Diese Gemeinschaft wurde 1936 vom damaligen Patriarchatsverweser Sergius in Moskau als „westliche orthodoxe Gemeinschaft“ unter dem Moskauer Patriarchat anerkannt.

Zu den prägenden Gestalten dieser Gemeinschaft gehörten die Brüder Johannes (er wurde 1964 vom heiligen Erzbischof Johannes Maximowitsch von Shanghai und San Francisco zum ersten Bischof der Katholischen Orthodoxen Kirche Frankreichs geweiht) und Maxim Kovalevsky.

Der Ritus der Katholischen Orthodoxen Kirche Frankreichs (bzw. des Westens; es gibt sie auch außerhalb von Frankreich) ist der wiederhergestellte Gallikanische Ritus oder auch genannt die „Göttliche Liturgie nach unserem heiligen Vater dem Bischof Germanus von Paris“.

Die Gallikanische Liturgie ist eine nahe Verwandte der mozarabischen und der ambrosianischen Liturgie. Sie war zur Zeit der Merowinger im ganzen Frankenreich verbreitet und wurde erst von den Karolingern aus politischen Motiven durch den römischen Ritus ersetzt.

Das Ordinarium der Germanusliturgie ist wie folgt aufgebaut:

  • Introitus
  • Trishagion
  • Eingangssegen
  • Kyrie eleison
  • Hymnos (je nach Kirchenjahr entweder Gloria, Benedictus oder die Makarismen)
  • Tagesgebet
  • Lesung aus dem AT
  • Graduale
  • Apostellesung
  • Lobgesang der drei Jünglinge
  • Alleluia
  • Evangelium
  • Kuss des Wortes
  • Predigt
  • Litanei für die Kirche
  • Sammelgebet zur Bittfolge

Dann in der Opferfeier:

  • Entlassung der Katechumen
  • Credo
  • Einleitung des Offertoriums
  • Einzug der Gaben und Opferlied
  • Stillgebet
  • Diptychen
  • Gebet zu den Diptychen
  • Friedenskuss
  • Sammelgebet zum Friedenskuss
  • Dialog
  • Präfation
  • Sanctus
  • Post Sanctus
  • Einsetzung
  • Gedächtnis und Darbringung
  • Epiklese
  • Post Epiklese
  • Brotbrechung
  • Vater Unser
  • Erhebung der heiligen Gaben
  • Segnung der Gläubigen
  • Kommunion
  • Trikanon
  • Danksagung
  • Entlassung und Segen

In Deutschland ist wohl das Oratorium der allheiligen Gottesmutter von den Engeln und des heiligen Ansgars in Kiel der einzige Ort, an dem die Gallikanische Liturgie gefeiert wird bzw. wo es derzeit überhaupt eine orthodoxe Gemeinschaft des westlichen Ritus gibt.

Mehr Information könnt Ihr hier erfahren: * http://www.oratorium.de