Prokopios (Popow) der Priester, Neumärtyrer

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Prokopios Popow.jpg

Gedenktage: Synaxis der Neomärtyrer und Bekenner Russlands, 30. September

Nah am Wasser des breiten Jug-Flusses lag das Dorf Scholga im Wologda-Gouvernement. Nicht weit vom Ufer stand ein großes schmuckes Gotteshaus zu Ehren der Allheiligen Dreiheit. Zur Gemeinde zählten über 100 Dörfer. Im Dorf Scholga war das Dekanat; dort dienten drei Priester, zwei Diakone und drei Lektoren.

In Russland herrschte bereits die Zeit der Wirren. Vor dem Bürgerkrieg kam die spirituelle Zerrüttung, und die ersten, die den sittlichen Verfall bemerkt hatten, waren die Priester gewesen. Von außen nahm sich das Leben mancher Leute gut aus, aber ein finsteres Ende war schon zu erahnen – so wie man an einen Baum klopft, der von außen gesund aussieht, und am Klang erkennt, dass er innen hohl ist.

Damals, zur Zeit des Ersten Weltkrieges, kam es einigen so vor, als ob Russland unerschütterlich dastünde, während andere bereits sahen, dass sich das Ende näherte. Lange vor der Revolution sagte der Vorsteher des Gotteshauses, Vater Prokopios Popow, als er dem Küster das Geld mit den Porträts der Zaren zeigte:

— „Höre, Wassilij Wassiljewitsch; bald wird eine Zeit kommen, da man mit diesem Geld mit dem Zaren Nikolaus die Wände tapezieren und es sonst keinerlei Wert mehr haben wird.“

Für den frommen Küster klang dies wie ein Aufruf zur Revolution. Kaum konnte er an sich halten, um den Priester nicht übel zu beschimpfen. Aber bald schon stürzte die Regierung des Zaren, auch die provisorische Regierung wurde hinweggefegt, und die ganze tausendjährige Geschichte Russlands geriet ins Wanken, die Farben verblassten und die Zukunft verdüsterte sich.

Es kam die Revolution, es kam das Jahr 1918, und die Bolschewiki stellten Spezialeinheiten auf, welche Geistliche und angesehene Laien in ganz Russland vernichteten. Am 13. Oktober, vor dem Fest Mariä Obhut, trafen die Strafbrigaden im Dorf Scholga ein und verhafteten Vater Prokopios. In der Mitte eines Feldes wurde eine Grube ausgehoben. Die von ihrer Macht und Unantastbarkeit überzeugten Brigadisten entschieden, Menschen am helllichten Tag zu erschießen, und ließen das Volk sogar dabei zusehen.

Im Römischen Reich bekannten sich einst heidnische Soldaten, während sie die ruchlosen Morde an den christlichen Märtyrern mit ansehen mussten, zum Christentum. Nun aber wurde der Hirte vor den Augen der Herde ermordet – und diese gab ihn ohne Murren der Gewalt preis.

Die frischgebackenen Herrscher demonstrierten, dass ihre Gräueltaten keine Grenzen kennen würden, und diese gnadenlose Entschlossenheit paralysierte die Bevölkerung. Es war die Zeit des frechen, triumphierenden Bösen.

Vater Prokopios stellte sich vor seinem Grab, betete, verabschiedete sich von den Gemeindemitgliedern, warf sich von ihnen nieder und sagte:

- „Verzeiht mir Sündigem.“ - Die Gemeindemitglieder brachen in Tränen aus. Der Priester legte sein Gewand ab, übergab es an seine Söhne, welche die ganze Zeit neben ihm standen, und blieb in seinem inneren Talar stehen. Dann wandte er sein Gesicht den Osten, betete erneut und sagte:

- „Ich bin bereit.“ - Es fiel ein Schuss, und Vater Prokopios fiel nieder. Erst ein zweiter Schuss tötete ihn.

Zunächst wurde der Priester dort im Feld begraben, doch baten seine Söhne um die Erlaubnis, seinen Körper auf den Friedhof zu überführen. Die Regierung untersagte dies, aber die Verwandten von Vater Prokopios bemühten sich weiter, und schließlich wurde ihnen gestattet, den Hieromärtyter auf dem Friedhof des Dorfes Kuskowo zu bestatten.

Vater Prokopios wurde auf dem Jubiläumsbischofskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche im August 2000 in die Reihe der Heiligen Neomärtyrer und Bekenner Russlands aufgenommen und zur allgemeinkirchlichen Verehrung bestimmt.