Markus, Apostel

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Der Hl. Apostel Markus
Der Hl. Apostel Markus

Der Hl. Apostel Markus (auch: Johannes Markus) (* 1. Jhd. nach kopt. Tradition in Kyrene, Libyen; † verm. 68) war Apostel, Verfasser eines Evangeliums, erster Bischof von Alexandria und Märtyrer. Sein Gedächtnis wird gefeiert am 25. April und am 27. September.

Vita

Nach den ältesten Überlieferungen war der Hl. Apostel Markus aus dem Stamme Levi und gehörte der Priesterlinie an. Sein jüdischer Name war Johannes oder Johanan. Nach der lateinischen Überlieferung wird er Mark genannt. Diesen Namen nahm er an, bevor er mit dem Hl. Apostel Petrus nach Rom reiste. In der Nacht, als Christus verraten und gefangen genommen wurde, befand er sich im Hause seiner Mutter, welcher auch der Garten Gethsemane gehörte. Er erwachte von dem die Gefangennahme begleitenden Tumult und verließ das Haus, um zu sehen, was im Garten vor sich ging. Als ihn die Knechte des Hohepriesters sahen und ihn fangen wollten, lies er sein einziges Gewand fahren und floh nackt. Später wurde er ein Schüler der hll. Apostel Petrus und Paulus. Auf die dringenden Bitten der Christen von Rom schrieb er für diese alles auf, was er aus dem Munde der Apostel von Christus gehört hatte auf. Der Hl. Apostel Petrus bestätigte das vom Hl. Markus niedergeschriebene Evangelium als authentisch und ließ es in den Kirchen als apostolische, vom Heiligen Geist inspirierte Schrift vorlesen. Danach predigte der Hl. Apostel Markus das Evangelium in Aquileia. Von hier aus soll er auch zusammen mit dem Hl. Apostel Lukas nach Noricum gereist sein. Von Aquileia aus fuhr er nach Ägypten, wo noch eine jüdische Kolonie aus den Zeiten Alexander des Großen und König Ptolemäos existierte, welcher für seine Bibliothek eine genaue Übersetzung der Hl. Schrift durch siebzig jüdische Gelehrte hatte anfertigen lassen, die sogenannte Septuaginta. Die Juden dort hatten ihre eigenen Städte, Synagogen, Ratsversammlungen und sogar ihren eigenen Tempel, den sie nach dem Vorbild des Jerusalemer Tempels errichtet hatten. Hier war auch der von den Kirchenvätern bezeugte Sturz der Götzenbilder geschehen, als die Hl. Familie auf der Flucht vor der Verfolgung durch Herodes nach Ägypten kam. Die Predigt des Hl. Apostels Markus fiel hier auf gute Erde, und viele bekehrten sich zum Glauben an den Heiland. In Alexandrien gründete er eine Kirche und wurde ihr erster Bischof. Nach der Teilnahme am Apostelkonzil in Jerusalem begleitete er den Hl. Apostel Paulus auf seiner Reise nach Rom und wurde Zeuge des Martyriums der hll. Apostel Petrus und Paulus. Danach kehrte er nach Ägypten zurück und gründete dort die erste Schule für Kathechumen, da hier nicht nur die Griechen, sondern auch die Juden zur griechischen Philosphie neigten. Schüler dieser Einrichtung waren die hll. Kirchenväter Pantenus, Clementius, Dionysius von Alexandrien, Gregor der Wundertäter und viele andere. Um den Gottesdienst zu ordnen, legte der Hl. Markus die Abfolge der eucharistischen Liturgie fest, an der bis heute festgehalten wird.

Neben seiner Tätigkeit in Alexandrien unternahm er auch ausgedehnte Reisen nach Libyen, Kyrinaika und Pentapolis. Überall predigte er das Evangelium, heilte Kranke allein durch sein Wort, befreite die Menschen von Götzendienst, Totenkult und Zauberei und bekehrte durch seinen vorbildlichen Lebenswandel viele zu Christus. Ein gewisser Philo, ein jüdischer Philosoph und Zeitgenosse des Hl. Apostels Markus, pries das Leben der ägyptischen Christen, die sich aller Sorgen um weltliche Reichtümer und Besitz entledigt hätten, abseits der großen Städte in Einöden lebten und den Verkehr mit Menschen mieden, die nicht den gleichen Lebenswandel mit ihnen teilten, um ihre Tugenden nicht zu gefährden. Enthaltsamkeit und Abtötung der Leidenschaften hielten sie für die einzige Grundlage, auf welcher ein gutes Leben begründet sein könnte. Niemand von ihnen aß oder trank etwas vor Sonnenuntergang, und viele aßen nur jeden vierten Tag. Andere übten sich Tag und Nacht im Verständnis der Hll. Schriften und vergaßen darüber, zu essen, und fasteten oft bis zum sechten Tag. Keiner von ihnen trank Wein, und alle verschmähten Fleisch. Außer Brot und Wasser, das sie mit Salz und Ysop würzten, genossen sie nichts. Unter ihnen waren Frauen, die sich so sehr in der Tugend geübt hatten, dass sie bis ins hohe Alter ihre Jungfrauschaft bewahrten - nicht aus Zwang, sondern aus freier Entscheidung, um unsterbliche Nachkommen zu gebären. Die hll. Schriften legten sie geistlich in einem höheren, verborgenen Sinn aus. Ihre Worte entsprachen ihrem erhabenen Lebenswandel, und die in ihren Äußerungen enthaltenen Geheimnisse richteten ihre Seelen auf. Sie erhoben sich in aller Frühe, um das Wort Gottes zu hören, Männer und Frauen getrennt voneinander. Manche von ihnen fasteten über einen Zeitraum von sieben Wochen. Sie hielten den siebenten Tag in Ehren. Sie schliefen auf dem bloßen Boden. Ihre Gottesdienste wurden von Priestern und Diakonen zelebriert, welche von Bischöfen geleitet wurden.

Einen solchen wohlduftenden Garten Gottes legte der Hl. Apostel Markus in Ägypten an. Hier in Alexandria litt und starb er auch und wurde der erste Märtyrer der Stadt und des Landes. An einem 24. April, dem Feiertag der Auferstehung Christi, gelang es den Heiden, den Hl. Markus gefangenzunehmen. Während des Gottesdienstes drangen die Heiden in die Kirche ein, banden an seine Füße ein Seil und schleiften ihn so durch die Stadt. Am Abend warfen sie ihn ins Gefängnis und berieten sich anschließend, auf welche Art sie ihn hinrichten wollten. Um Mitternacht erschien dem Hl. Markus ein Engel und ermahnte ihn, sich auf das Martyrium vorzubereiten. Dann erschien auch der Herr selbst bei ihm und stärkte ihn durch seine Anwesenheit. Am Morgen kamen die Heiden wieder und schleiften den Hl. Apostel wieder durch die Straßen. Hiervon gab er bald darauf seinen Geist auf mit den Worten: “In Deine Hände, Herr, befehle ich meinen Geist.” Danach wollten die Heiden den Leib des Heiligen verbrennen. Als der Scheiterhaufen bereits zu brennen angefangen hatte, brach plötzlich eine Dunkelheit herein, Blitze zuckten, die Erde erbebte und ein heftiger , mit Hagel vermischter Regen brach los. Die Menge der Lästerer wurde zerstreut und das Feuer gelöscht. Die frommen Christen aber nahmen den Leib des Heiligen mit der ihm gebührenden Ehrerbietung und legten ihn in einen steinernen Sakrophag, den sie in einer Kirche aufstellten. Im Jahre 310 wurde über dem Grab eine Kirche zu Ehren des Hl. Apostels Markus errichtet. Bis ins 9. Jahrhundert verblieben seine Reliquien dort. Im Jahre 828, als der Islam und die Häresie des Monophysitismus Ägypten schwer erschütterten, wurden die Reliquien nach Venedig übertragen. Hier befindet sich auch ein sehr altes, auf Papyrus geschriebenes Manuskript des Evangeliums nach Markus, welches der Hl. Apostel mit eigener Hand geschrieben haben soll. Eine Armreliquie des Hl. Apostels Markus wurde im Jahre 830 von Bischof Ratold von Verona feierlich an den damaligen Abt des Klosters der Insel Reichenau, Erlebald, übergeben. Während der Reformation wurde die Reliquie mit vielen anderen Reichenauer Reliquien evakuiert und später wieder in das Markusmünster zurück überführt.

Textnachweis

Dieser Text stammt aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.94ff. Scan des Kapitels über den Hl. Markus. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

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