Anachoret

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Athos-Einsiedelei.jpg

Anachoret (Griechisch ἀναχώρησις, russisch отшельник,oder пустынник, deutsch Einsiedler). Als Anachoret wird ein christliche Asket bezeichnet, der sich aus der Welt zurückgezogen hat, in völliger Einsamkeit lebt und sich ganz der Buße (Umkehr, Umgeistung), dem Gebet und der Erkenntnis Gottes verschrieben hat. Der Lebensstil eines solchen Mönchs unterscheidet sich von dem eines im koinobitisch lebenden Mönchs.

Der Legende nach gilt der Mönch Paulus von Theben (gestorben um 341) als erster Anachoret, der 91 Jahre asketisch lebte. Der heilige Mönch Antonios der Große gilt als der Vater des Anachoretentums.

Im 4. und 5. Jahrhundert folgte das ägyptische Mönchtum zwei Wegen: der Anachorese und der Koinobia. Dies weist auch auf zwei Arten des Lebens hin, zwei Arten der Erlösung, zwei Auffassungen von der Persönlichkeit. Diese beiden Typen sind in der gesamten Geschichte des Mönchtums erhalten geblieben und sowohl im Reich der Mönche, dem Athos, als auch in Russland, in Griechenland und im gesamten Osten entstanden. Der Weg des Anachoreten ist ein individueller Pfad, der sich später zum Typus der idiorhythmischen Klöster gewandelt hat. Der koinobitische Weg ist ein Weg der Gemeinschaft, weniger die Persönlichkeit prägend und diese in in bedeutendem Maße unterdrückend, dafür in seiner Organisiertheit stärker, zum Wohle des Wachstums der Kirche. Dies ist der Weg der monastischen Errettung für viele. Archim. Cyprian (Kern)[1]

Als der Vater des Mönchtums - eigentlich des Eremitentums bzw. Anachoretentums - wird gewöhnlich der Hl. Antonios der Große (251–356) angesehen, der einer koptischen Familie entstammt. Seine Vita wurde vom Hl. Athanasios, Erzbischof von Alexandria, verfasst. Er wurde von christlichen Eltern in Kome, nahe der großen Hierakleopolis in Mittelägypten, geboren. Als er in seiner Jugend als 20-Jähriger einmal der in der Kirche war, wurde er von der Evangelienlesung über Mt. 19,16 tief ergriffen und erleuchtet. Er verteilte seinen Besitz und begann unter Anleitung eines erfahrenen Asketen, selbst die Askese zu praktizieren. Dann aber verlässt er plötzlich diesen Asketen und versteckt sich in einer vernachlässigten, verlassenen Grabstätte, in der er viele Jahre in tiefer Abgeschiedenheit lebt, nur von Zeit zu Zeit mit Brot versorgt. Nach 26 Jahren Leben in der Wüste begann er ab 306, Schüler um sich zu sammeln. Sein Ruf fand Gehör, insbesondere nach einem bedeutenden Ereignis - seinem Auftreten auf den Straßen von Alexandria zur Zeit der Verfolgungen durch Maximianus, um die christlichen Brüder dort im wahren Glauben zu stärken. Menschen aus allen Ländern strömten zu ihm, und er bestärkte und inspirierte sie durch sein Gebet, und gab ihnen geistlichen Rat. Zu dieser Zeit hatte er seine Wohnstatt in Pispir [Dayr al-Maymūn], das 30 Kilometer vom Nil entfernt liegt. Von hier aus unternahm er häufige Reisen, um die eremitischen Kolonien seiner Schüler zu besuchen. Der Ruhm des hl. Antonios war so groß, dass sogar der Kaiser Konstantin ihn mit einem Brief ehrte. Vor seinem Tode zog er sich erneut in eine weit abgelegene Einsiedelei zurück, wo er im Jahre 356, im hohen Alter von 105 Jahren, entschlief.Seinen Mantel und Fellumhang hinterließ er dem hl. Athanasios, dem Verteidiger des Glaubens, mit dem er freundschaftlich verbunden war und der seine Lebensgeschichte schrieb. Antonios hinterließ keinerlei Regeln für das Mönchtum. Seine eremitischen Kolonien, die den Namen μοναστήρια trugen, vereinten Gleichgesinnte in vollkommener Freiheit unter der geistlichen Anleitung des heiligen Mönchs. Posnov, M.: Geschichte der christlichen Kirche[2]

Quelle: azbyka.ru