Philaret (Amfiteatrow)

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Heiliger Metropolit Philaret

Der Heilige Metropolit Philaret (Amfiteatrow) von Kiew und Galitsch, (nach Empfang der Schema-Weihe: Theodosius, 1770-1857) war ein bedeutender Hierarch der Russischen Orthodoxen Kirche.

Gedenktage:

Der zukünftige Metropolit, weltlich Feodor Georgijewitsch, wurde am 17. April 1770 im Dorf Wyssokoje des Kromskij-Bezirks im Gouvernement Orlow in die fromme Familie des Priesters Georgij Nikititsch Amfiteatrow hineingeboren. Er war bei der Geburt sehr schwach und fast blind und empfing doch Mittwochs und Freitags (die Fastentage) nicht einmal Muttermilch.

Als Kind besuchte Feodor sehr gerne das Gotteshaus.

Mit sechs Jahren begann er lesen und schreiben zu lernen. Sein erster Lehrer war sein Großvater. 1789, mit 19 Jahren, wurde Feodor direkt ins zweite Studienjahr der Geistlichen Schule zu Orlow aufgenommen.

1795 wurde er als bester Schüler in die theologische Klasse des Sewsk-Seminars überwiesen, das er 1797 absolvierte.

Nach der Absolvierung des Seminars empfing Feodor die Mönchsweihe auf den Namen Philaret, zu Ehren Philarets dem Barmherzigen. Als hervorragender und frommer Absolvent wurde er als Lehrer im Seminar zugelassen und 1798 zum Mönchsdiakon, 1799 zum Mönchspriester geweiht.

Mit 32 (im Jahre 1802) hatte er schon die Igumenswürde inne und war Rektor des Sewsk-Seminars und Vorsteher des Sewsk-Klosters.

Im Jahre 1804 wurde er zum Archimandriten erhoben und als Rektor ins abgelegene Ufa (zur Diözese Orenburg) ordiniert, wo sich das 1800 eröffnete Seminar in einem elenden Zustand befand. Dort bekleidete er auch den Posten des Vorstehers des ziemlich armen Mariä-Entschlafungs-Klosters. Da er keine Wohnung im Seminar hatte, musste er täglich die ca. vier Kilometer vom Kloster ins Seminar und zurück zu Fuß laufen.

Nach dem Wechsel der Diözesenleitung verstand sich Philaret nicht mit dem neuen Bischof. Nachdem er sich an den Heiligsten Synod mit einer Bitte um Entlassung und Überweisung in irgendein anderes Kloster gewandt hatte, wurde er im Jahre 1810 in die Diözese Tobolsk als Vorsteher eines armen Klosters ordiniert. Bald darauf, Ende 1810, wurde er zum Rektors des Geistlichen Seminars in Tobolsk und Dekan von dessen Klöstern ernannt. Dort bewährte er sich glänzend und deshalb drei Jahre später nach St. Petersburg berufen. Im Februar 1814 wurde er Inspektor der St. Petersburger Geistlichen Akademie. Im selben Jahr wurde er auch als Doktor der Theologie gewürdigt und durch eine Verordnung von Philaret Drosdow, Rektor der Moskauer Geistlichen Akademie, Inspektor der neu eröffneten Moskauer Geistlichen Akademie. 1816 wurde er dort Rektor.

Im Jahre 1819, wurde Archimandrit Philaret mit 41 Jahren Bischof von Kaluga. 1825 wurde an die älteste russischen Kathedra in Rjasan überwiesen und dort zum Erzbischof erhoben. 1828 wurde er an die Kathedra in Kasan gesandt.

In Kaluga, Rjasan uns Kasan zeichnete er sich besonders als begabter Redner aus, dessen Predigten später als Buch veröffentlicht wurden. Er widmete auch dem Bau und der Renovierung der Gotteshäuser viel Aufmerksamkeit (während seiner Bischofszeit wurden in der der Diözese Kaluga 25 Steinkirchen gebaut). Er kümmerte sich auch um das materielle Auskommen der Geistlichen sowie ihrer Witwen und Waisen, denen er häufig mit seinen persönlichen Mitteln beistand und gegen die Bedrängnisse der Grundbesitzer und Behörden verteidigte. In den Hungerjahren gab er sein ganzes Vermögen hin, um den Darbenden zu helfen. Er war auch für seine Missionstätigkeit unter Schismatikern und Andersgläubigen (besonders in der Diözese Kasan) bekannt.

Als in Russland 1820 die Arbeit an der Übersetzung der Heiligen Schrift ins Russische aufgenommen wurde, erklärte sich Seine Eminenz Philaret gegen diese Initiative. „Die russische Sprache“, schrieb er, „kann die Heilige Schrift nicht mit dieser Kraft und Treue, die die kirchenslawische Übersetzung ausmachen, nicht wiedergeben. In der kirchenslawischen Übersetzung ist dem Verstand alles zugänglich, was für die Belehrung der Gläubigen zu ihrem ewigen Heil notwendig ist… Es besteht keine Notwendigkeit zur Übersetzung der Bibel in die russische Sprache, sondern zum fleißigen Lernen des Kirchenslawischen in all unseren geistlichen und säkularen Schulen und im täglichen fleißigen Lernen der kirchenslawischen Heiligen Schrift.“ Er äußerte auch sieben Thesen gegen eine Russische Bibel:

1. Die Schriftgelehrten hätten im Alten Testament, obwohl sich die Sprache des jüdischen Volkes seitdem verändert hatte, den Heiligen Text ohne Änderungen belassen und sich auf seine Auslegung für das Volk beschränkt. 2. Angesichts der möglichen Beschädigung des jüdischen Textes hatte die Vorsehung Gottes ihn in Form einer griechischen Übersetzung (der Septuaginta) aufbewahrt, die „zweifellos unter der Leitung des Geistes Gottes“ entstanden sei. 3. Nachdem die Griechische Ostkirche die Septuaginta akzeptiert hatte, wurde diese nicht in die Neugriechische Sprache übersetzt, sondern die Bibel für das Volk nach der alten Übersetzung aufgelegt. 4. Die Übersetzung der Russischen Bibelgesellschaft sei „nicht nur ohne den Segen der griechischen Hierarchen, sondern schlechterdings ohne deren Wissen und gegen deren Willen “ entstanden. 5. Die kirchenslawische Übersetzung, vollbracht durch die Heiligen Kyrill und Method, beruhe auf der Septuaginta. 6. Die anderen slawischen Kirchen würden auch keine Übersetzungen in ihre Volkssprachen anfertigen. 7. Die Idee einer russischen Übersetzung sei weder von der Kirchenleitung noch vom Volk ausgegangen, sondern stamme aus England, einer „Brutstätte aller Häresien, Sekten und Revolutionen“.

Diese Thesen wurden allerdings durch Metropolit Philaret (Drosdow) von Moskau widerlegt, dessen Meinung über die Notwendigkeit einer russischen Übersetzung der Bibel vom Heiligsten Synod bestätigt wurde.

1827 wurde Seine Eminenz Philaret zum Mitglied des Ausschusses für die Geistlichen Schulen ordiniert. Seit 1836 war er Mitglied des Heiligsten Synods.

1837 wurde er zum Metropoliten von Kiew und Galitsch erhoben. Dies war die schwierige Zeit der Wiedervereinigung mit den Uniaten, welche eine Anhebung des Ausbildungsniveaus für orthodoxe Priester erforderte. So widmete Seine Eminenz Philaret der Aufklärung und der geistlichen Ausbildung besonders viel Zeit. In Kiew eröffnete er die Geistliche Schule zu Ehren der Sophia und übergab ihr das dreistöckige Metropolitenhaus. 40 von 100 Schülern versorgte er aus seinen eigenen Mitteln. Dem Kiewer Seminar übergab er seine persönliche Bibliothek. Große Aufmerksamkeit widmete er auch der Ausgestaltung des Kiewer Höhlenklosters.

Seine Eminenz zeichnete sich durch einen tiefen und scharfen Intellekt, Gründlichkeit des Urteils und Verstandesschärfe aus, einen hohen Geist des Glaubens und streng orthodoxe Frömmigkeit in Einfalt, Sanftmut und Freundlichkeit zu allen. Das weckte in seinen Mitmenschen großen Respekt und, mehr noch, Ehrfurcht. Seine Liebe und Hilfsbereitschaft gegenüber den armen Menschen war sprichwörtlich, und er wurde überall nur „Philaret der Barmherzige“ genannt. In seinem Dienst war er von größter Geduld und tiefster Demut erfüllt

Seine Eminenz Philaret entschlief am 21. Dezember 1857. Im Jahre 2005 wurde er heiliggesprochen.